50. Jahrestag der Ankunft der Missionsschwestern in Namibia
1. Die afrikanischen Schwestern
treten in die Verantwortung ein
Jubiläum
In die Hände dieser Schwestern ist nun der Fortgang der Missionsarbeit gelegt.

Die Schwestern feiern den fünfzigsten Jahrestag der Ankunft der ersten Schwestern in Namibia. Eine neue Generation von Schwestern zieht in die Kirche ein. Sie kommen mit Jubel und bringen ihre Gaben, vor allen Dingen ihre Freude und ihren Dank für die vergangenen fünfzig Jahre.. Damals, im April 1962, gingen die ersten sechs Schwestern müde von der langen Reise durch eben diesen Mittelgang der Kirche Sankt Konrad in Gobabis, um Gott zu danken und seinen Segen für das künftige Werk zu erbitten.

2. Spuren hinterlassen

Im April 1962 kamen die ersten Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes aus Deutschland nach Namibia. Zunächst waren es sechs Schwestern, doch bald folgten ihnen weitere, insgesamt siebzehn Schwestern, als Missionarinnen aus Deutschland nach. Zunächst fanden sie die klassischen Strukturen der Missionskirche vor, doch  im Lauf der Zeit mussten diese ständig erneuert und den Erfordernissen angepasst werden. Schritt für Schritt erfolgte die Loslösung von der Mutterprovinz in Deutschland. Der Weg zur Selbständigkeit führte über ein eigenes  Noviziat, über die schrittweise Delegation der Verantwortlichkeiten von Deutschland nach Namibia, über die Errichtung einer Region und schließlich der „Provinz von der Erscheinung des Herrn“ in Namibia. Die Schwestern wählten sich diesen Titel  Die Loslösung fiel in die Zeit der politischen Umwälzungen im Land, die schließlich 1990 in der politischen Unabhängigkeit gipfelten. So entwickelten die Schwestern ihr Provinzlogo, das einen bodenständiges Haus auf afrikanischem Boden unter einer Palme zeigt. Diese neigt sich über das Haus das unter einem großen Stern steht, der von außerhalb in die diesseitige Welt eintritt.

Kirche und Banner
Die Kirche Sankt Konrad in Gobabis (links) und das Logo der Provinz Namibia (rechts).

Vor dem Schwesternhaus in Dornfeld, stehen zwei lebendige Vorbilder, Palmen, die heute eine beachtliche Höhe erreicht haben. Vor ungefähr fünfzig Jahren wurden sie von Schwester Domitilla Haarmann, der Leiterin der ersten Schwesterngruppe, gepflanzt. Das war gewiss, ein prophetischer Vorgriff auf das spätere Symbol der Provinz.

Die Sankt Konradkirche in Gobabis wurde als Ort für den Festgottesdienst zum goldenen Jubiläum der Provinz gewählt. Es ist dieselbe Kirche, in die die sechs Schwestern am Abend des 28. April 1962 müde und doch gespannt eintraten, um Gott zu danken für die glückliche Reise und seinen Segen für die zukünftige Arbeit zu erbitten.

Nun soll Schwester Franziska weiterberichten. Sie und Schwester Ewalda waren eingeladen an der Feier teilzunehmen. Schwester Ewalda gehörte zu den Pionierschwestern, lebt aber seit zehn Jahren wieder in Deutschland. Schwester Franziska arbeitete fast fünf Jahre in Usakos als Röntgenassistentin, bevor sie 1979 für andere Aufgaben nach Deutschland zurückgerufen wurde. Vor dem Gottesdienst wurde ein "Familienfoto" gemacht, es ist schwer den nun folgenden Gottesdienst zu beschreiben, er hat drei Stunden, von 9 Uhr bis fast 12 Uhr, gedauert. Die Freude jedenfalls war groß, nicht nur bei den Schwestern sondern bei allen, die gekommen waren dieses denkwürdige Ereignis zu feiern. Singend und tanzend zogen die Gemeindemitglieder hinter den tanzenden Schwestern in die Kirche ein, die von den Gemeindemitgliedern sehr schön geschmückt worden war.

Generalvikar Father Werner Afunde
Generalvikar Father Werner Afunde war Hauptzelebrant und hielt auch die Festpredigt

Der Generalvikar des Bistums Windhoek, Father Werner Afunde, feierte in Konzelebration mit Pater Heller OMI aus Walfishbay, Pater Volk OMI von der Station Dornfeld, sowie Father Laurentius den Festgottesdienst. Als Junge war dieser schon ein treuer Helfer der Schwestern in Aminuis gewesen.  Im vergangenen Jahr wurde er zum Diözesanpriester geweiht. Pater Heller hat lange mit der Schwesternkommunität in Epukiro zusammen gearbeitet und Pater Volk war als junger Missionar in Gobabis stationiert als die Schwestern 1962 eintrafen.

Der Leiter der Sankt Konrad Gemeinde begrüßte die Schwestern in Englisch und hieß sie willkommen. Dann zogen die Schwestern der Provinz in ihren farbenfrohen Trachten mit Gesang und Tanz ein. Schwester Cecilia, die wir aus ihrer Ausbildungszeit kennen, trug die Lesung aus der Apostelgeschichte 9, 31 – 42 vor. Der Chor stimmte das Alleluja ich weiß nicht in welcher Sprache an, begleitet von Trommel und anderen Musikinstrumenten. Dann brachten die afrikanischen Schwestern in einer Prozession auf ihren Schultern das in ein Tuch eingeschlagene Evangelienbuch herbei, das vor dem Altar entfaltet wurde.

Father Werner hielt die Predigt teils in Englisch, teils in Afrikaans und nicht nur vom Ambo, sondern auch vom Mittelgang aus. Im Evangelium sagt Jesus: "Ich bin der gute Hirt, ich bin die Tür" Ich sorge mich um meine Schafe, ich gebe mein Leben für sie hin. Um diese Worte und um Berufe für die große Ernte ging die Predigt, die 35 Minuten dauerte. Ich konnte nicht sehr viel verstehen, aber es ging auch darum, dass wir alle Hirten für die uns anvertrauten Menschen sind und uns wie Jesus um sie kümmern müssen, dass wir aber auch gleichzeitig Schafe in der einen Herde Gottes sind, für die Jesus sein Leben gegeben hat. Er stellte die Frage: Wo kommen wir her, wo sind wir jetzt, wohin wollen wir gehen, wir Menschen aus Namibia? Und für die Schwestern: Welche Spuren habe ich hinterlassen, erinnern sich die Menschen gern an mich, freuen sich die Menschen auf ein Wiedersehen mit mir? In der Predigt ging es wohl auch um Freude, denn öfter mussten alle lachen.

Familienfoto
Ein Familienfoto vor dem Gottesdienst. Es zeigt die Tür durch die die Schwestern, die 1962 in Namibia eintrafen, gleichsam ihr neues Arbeitsfeld betraten. Rechts im Bild Schwester Erika Amukologa, Provinzoberin, die zweite von rechts ist Schwester Livramento de Oliveira, Generaloberin.

Der folgende Sonntag war der Welttag der geistlichen Berufe, dazu sang der Chor speziell ein Lied mit dem Inhalt: Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenig. Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. Die Leiterin des Chores hatte den Text vorher in Englisch vorgetragen, aber das Lied wurde in einer Stammessprache gesungen, sodass ich nur der Melodie folgen konnte.

Von den folgenden Fürbitten, sprach der Priester einige und dann lud er die Gemeinde ein auch ihre Bitten vorzutragen. Es ist dann immer rege Beteiligung, die Bitten erfolgten sowohl in Afrikaans als auch in Englisch. Neu für mich war auch, dass die Gläubigen ihre Gabe selbst in einer Art Prozession zum Altar bringen. In der Gabenprozession brachten die Schwestern tanzend die Gaben des Landes und jede Schwester legte dazu ihren geschriebenen Namen vor dem Altar nieder.

Chor
Der kleine Chor der Gemeinde.

Vor dem Schlussgebet und dem allgemeinen Segen bat Father Werner ganz spontan die Schwestern einzeln nach vorn damit sie von jedem der Konzelebranten den persönlichen Segen empfangen konnte. Nicht nur die Schwestern empfanden den feierlichen Augenblick, auch die Gemeinde war von dem Geschehen sehr ergriffen.

Nach dem Segen wurde noch lange gesungen, Inzwischen hatten sich die afrikanischen Schwestern verwandelt, in ihren originalen Trachten präsentierten sie sich der Gemeinde, zum Zeichen, wir gehören dem Volk an, wir sind hier eingewurzelt.

Schwestern
Die Schwestern in ihren bunten Stammestrachten stellen sich in ihrer Stammesvielfalt vor.

Draußen wurden nach üblicher Sitte die Schwestern begrüßt und man gratulierte ihnen. Dazu standen sie in einem Halbkreis und nun gingen die Anwesenden die ganze Reihe entlang und brachten mit Handschlag Gruß und Gratulation zum Ausdruck. Fast alle haben jede Einzelne umarmt, angefangen von den Priestern, den Messdienern, den Fratres, die auch da waren, den Gläubigen, es nahm fast kein Ende, bis die letzten fertig waren.

Inzwischen war es 13 Uhr und wir fuhren nach Dornfeld zurück, wo das Festmahl im geschmackvoll von der Hostelmutter und Sr. Klara geschmückten Auditorium bereit stand. Schwester Klara als Leiterin der gastgebenden Kommunität waltete ihres Amtes am Büfett, das Essen war zur Selbstbedienung auf zwei langen Tischen aufgebaut.

Palmen
Diese drei Palmen sahen schon den Beginn der Arbeit der Schwestern 1962 in Gobabis

Als Festgeschenk und im Auftrag der deutschen Provinz übergab ich an Schwester Erika, der Leiterin der Namibiaprovinz, ein Ostensorium, das ist eine kleine Monstranz. Sie freute sich so sehr, dass sie mich stürmisch umarmte. Dann rief sie laut und zeigte das Geschenk mit hochgehoben Armen und alle riefen: eine Monstranz! Ganz spontan sagte sie: Morgen Abend weihen wir es bei der Anbetung ein. Jeden Sonntagabend ist nämlich nach der Vesper eine halbe Stunde stille Anbetung.

Alle bewunderten das kleine Ostensorium, das sie als Monstranz bezeichneten, und es gefiel ihnen gut, ich war glücklich, dass unser Geschenk diese Freude ausgelöst hat.