Missionarin in drei Ländern: 130ster Geburtstag unserer Ordensgründerin Mutter Immaculata Tombrock

Mutter Immaculata an der Schreibmaschine.
Mutter Immaculata an der Schreibmaschine.

Vor 130 Jahren, am 14. November 1887, erblickte Elisabeth Tombrock, die spätere Mutter Immaculata, das Licht der Welt. Schon früh hatte sie den Wunsch, in fernen Ländern missionarisch tätig zu werden. Doch zunächst wurde Elisabeth Lehrerin in Deutschland. Bis sie, nach ihrer Heilung in Lourdes, den Franziskaner-Bischof Amandus Bahlman traf.  Ihm folgte sie im Sommer 1910 nach Brasilien, um sich dort als Missionsschwester von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes um elternlose Kinder zu kümmern.

Brasilien

In Brasilien traf Mutter Immaculata auf eine bunte Bevölkerungsstruktur, bestehend aus indigenen Bevölkerungsgruppen, Nachfahren der aus Afrika deportierten Sklaven sowie Einwanderern asiatischer und europäischer Herkunft. Darunter viele Deutsche, die sich in Südamerika eine bessere Existenz aufbauen wollten. Die Gemeinschaft der Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis wuchs. Schwestern aus Deutschland und Brasilien schufen gemeinsam gute pädagogische, soziale und religiöse Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Mutter Immaculata mit einem brasilianischen Waisenkind.
Mutter Immaculata mit einem brasilianischen Waisenkind.

Deutschland

1914 reiste Mutter Immaculata nach Deutschland, um Geld für den Bau eines Klosters mit Schule und Waisenhaus in Santarem zu sammeln. Zum Ärger des Generalvikars in Münster hielt sie eigenständig Vorträge über die Arbeit der Missionsschwestern in Brasilien. „Das Weib schweige in der Gemeinde“, brauste dieser anlässlich eines Treffens mit der selbstbewussten und tatkräftigen jungen Ordensschwester auf. Doch die charismatische Frau muss ihn wohl beindruckt haben. Ihr Vorhaben, eine Niederlassung in Münster zu gründen, unterstützte er. 1915, zur Zeit des Ersten Weltkriegs, entstand mit dem Lourdes-Kloster in Münster ein Werk der Völkerverständigung. Entgegen allem nationalen Denken erhielten hier junge Frauen den Auftrag: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung.“ (Mk. 16,15)

USA

Die dem Ersten Weltkrieg folgende Inflationszeit in Deutschland führte dazu, dass Spenden für Brasilien ausblieben. Mit dem Ziel, neue Sponsoren zu gewinnen, reiste Mutter Immaculata in die USA. Hier erlebte sie eine multi-religiöse und multi-kulturelle Einwanderungsgesellschaft. Die eingewanderten Katholiken stammten zum größten Teil aus aus Deutschland, Österreich, Irland¸ Italien, Frankreich und Polen. Sie waren der Armut des Heimatlandes entflohen und suchten im Gelobten Land Amerika eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien. Auch Mutter Immaculata hoffte, in den USA ein solides finanzielles Standbein für ihre Gemeinschaft schaffen zu können. Dieses fand sich, als ihr der Franziskaner-Orden anbot, die Haushaltsführung im College St. Bonaventure zu übernehmen.

Ein Unfall, der eine bleibende Körperbehinderung zu Folge hatte, zwang Mutter Immaculata in den USA zu bleiben. Damit sie die Ordensleitung weiterführen konnte, richtete Bischof Bahlmann in St. Bonaventure das Generalat der Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis ein.

Ein Spruch von Mutter Immaculata.
Ein Spruch von Mutter Immaculata.

Internationalität statt Nationalismus

Mutter Immcualatas Anliegen war eine Ausweitung der Gemeinschaft. Neue Wirkungsfelder entstanden in Brasilien, Deutschland und den USA.  Sie wollte aber auch, dass Schwestern nach China ausreisten, um sich dort der vielen elternlosen Kinder und der medizinischen Grundversorgung der Bevölkerung anzunehmen. Es ist dem gemeinsamen Einsatz deutscher, US-amerikanischer und chinesischer Missionsschwestern zu verdanken, dass es heute eine blühende Asien-Provinz gibt.

Mit großer Sorge verfolgte Mutter Immaculata die politische Entwicklung im nationalsozialistischen Deutschland. In St. Bonaventure trafen zahlreiche aus Deutschland geschmuggelte oder im Ausland verfasste Briefe ein, in denen über die dramatische Lage der katholischen Verbände und Klöster in Deutschland berichtet wurde. In Rundbriefen informierte die Ordensgründerin alle außerhalb Nazi-Deutschlands lebenden Missionsschwestern über „die traurigen Dinge, die im lieben deutschen Vaterland vor sich gehen.“ Über die Abschaffung der Versammlungsfreiheit und des Religionsunterrichts, über Bespitzelungen von Priestern durch die Geheime Staatspolizei, über Hausdurchsuchungen in Klöstern und über Verhaftungen und Ermordungen von Geistlichen und katholischen Oppositionellen.

Eine weltweite Gemeinschaft

Das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Zusammenbruch der nationalsozialistischen Diktatur erlebte Mutter Immaculata nicht mehr. Sie starb am 23. April 1938 im Alter von nur 51 Jahren. In den kommenden Jahren bewiesen die Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis, dass sie im Geiste ihrer Ordensgründerin allen Nationalismen widerstanden und länderübergreifend zusammenhielten. Auch heute setzten Missionsschwestern in den Ländern, in denen sie leben, Zeichen gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. In internationalen Kommunitäten und im Rahmen von Austauschprogrammen zeigen sie bespielhaft, wie Menschen aus verschiedenen Kulturen respektvoll zusammenleben können.

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