Die Reise nach Brasilien

Im Jahr 2010 besteht unsere Gemeinschaft, die Kongregation der Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes, 100 Jahre. Sie wurde in Santarem, im Amazonasgebiet Brasiliens 1910 gegründet. Die Vorbereitungen auf dieses Jubiläum sind in vollem Gange. Als erste hatte die Belem - Provinz, die den Gründungsort Santarem beherbergt, zu der Eröffnung des Weges, den die Provinzen auf das Jubiläum hin gehen wollen, Schwestern aus aller Welt eingeladen.

Schwester Rosclara und Schwester Martina, die aus der deutschen Provinz zu diesem Ereignis anreisten, waren zunächst ganz verschieden gestimmt.

Schwester Rosclara: "Für mich ging ein Traum in Erfüllung, bei meinem Eintritt hatte ich den Wunsch in die Mission nach Brasilien auszureisen, doch die Erfüllung blieb mir versagt. Ich habe diesen Traum nie ganz vergessen, bis nun die Verabschiedung aus dem Dienst und die Einladung nach Brasilien zeitlich so zusammenfielen, dass ich ohne Wenn und Aber sofort zusagte. Ich habe nicht einmal darüber nachgedacht, ob ich das wohl schaffen würde mit meinen fünfundsiebzig Jahren. Ich war einfach nur glücklich."

Schwester Martina: "Ich musste erst ein paar Mal angesprochen werden weil ich große Schwierigkeiten sah, eine Ablösung für mich zu finden. Doch als eine Vertretung gefunden war, da kam auch bei mir die Freude auf diese Reise. Nach einem wohlorganisierten Flug landeten wir in Salvador, Bahia. Hier hatten wir vier Tage Zeit und Gelegenheit etwas von der südlicheren der beiden brasilianischen Provinzen kennen zu lernen."

"Diese Tür soll immer offen sein für die Ärmsten. Es ist die letzte Tür, das ist es warum ich sie nicht schließen kann." Nach diesem Grundsatz lebte und handelte Schwester Dulce hier in Salvador. Aus bescheidensten Anfängen entwickelte sich ihr Hospital St. Antonius zu einer der führenden Gesundheitseinrichtungen des Landes und noch immer ist dies der Grundsatz nach dem bis heute gehandelt wird. Der Besuch hier hat mich am meisten beeindruckt.

Schwester Rosclara: "Auch mich hat es tief beeindruckt, wie hier die Ärmsten, oft mehrfach Behinderte, vielfach Kinder und alte Menschen liebevoll aufgenommen und behandelt werden. Bis zu 5000 dieser Ärmsten klopfen täglich an diese Tür und alle werden sie freundlich angenommen und umsonst behandelt.

Überhaupt hat mich der Gegensatz von „Arm und Reich“ tief betroffen gemacht. Die Schwestern versuchen in verschiedenen Projekten vor allem Kindern und Jugendlichen durch Bildung und Arbeit mit Findigkeit und Phantasie Zukunftschancen zu eröffnen. Das konnten wir auch in Fortaleza und anderen Städten sehen."

Schwester Martina: "Weiter im Norden, auf dem Boden der Belem - Provinz,  gingen wir noch mehr in den Spuren der Schwestern, die vor uns nach Brasilien gereist sind. Wir besuchten Orte, wie Fortaleza, Caninde, Quixada, deren Namen uns schon in unseren jungen Ordensjahren Begriffe waren obwohl wir keine Vorstellung von ihnen hatten. Die Serra  ist ein höher gelegenes Gebiet mit gesundem Klima, hier erholte sich schon Mutter Immaculata von schwerer Krankheit. Hier habe ich während der ganzen Zeit zum ersten Mal nicht geschwitzt. All diese Ortsnamen kannten wir aus den Erzählungen der Heimaturlauberinnen und von den großen Holzkisten in der Missionsprokur, die auf ihre Verschickung warteten."

Schwester Rosclara: "Am 24. Januar hieß es dann "auf nach Santarem", der Stadt unserer Gründung. Wieder hat mich die große Freude und Herzlichkeit beeindruckt mit der wir begrüßt und untergebracht wurden. Am 26. sollte das große Auftaktereignis der dreijährigen Vorbereitungszeit auf das Jubiläum stattfinden.  In den Tagen vorher hatten wir Gelegenheit die Stätten unserer Gründung zu besuchen und auf uns wirken zu lassen. Der Festmorgen begann mit einer Festmesse um 6:30 Uhr in der Kirche des Convents Santa Clara, die der Weihbischof der Diözese zelebrierte. Der feierliche Einzug geschah landesüblich mit den Nationalflaggen. Ich trug unsere schwarz-rot-goldene Fahne in die Kirche. Jede Provinz hatte die Gestaltung eines Teils der Messe übernommen, wir deutsche Schwestern hatten das Sanctus zu singen."

Schwester Martina: "Der Tag war voll mit Begegnungen und Besichtigungen. Im Museumszimmer gibt es Dinge aus dem persönlichen Gebrauch von Mutter Immaculata und Bischof Bahlmann zu sehen. Eine Muttergottesstatue von 1913 zum Beispiel, die sicher aus dem Klarissenkloster in Münster den Weg nach Santarem gefunden hat.

Abends, auf dem Platz vor der Kathedrale, fand das große Fest statt. Von 18: Uhr bis 19: Uhr war Einsingen, dann großer Einzug der Festgäste mit den Provinzsymbolen und Nationalfahnen, die auf der Bühne aufgestellt wurden. Die historische Statue der Mutter Gottes, Globus und Kreuz wurden ebenfalls aufgestellt. Die Generaloberin, Schwester Veronica, sprach ein Grußwort und Schwester Luci gab einen geschichtlichen Überblick. Hier ist der Ort zu dem Mutter Immaculata nicht nur symbolisch, sondern auch mit ihren Händen die Ziegel herbeigetragen hat. Das Telegramm aus Düsseldorf: „Sofort bauen“ von P. Anaklet Brogsitter OFM löste 1913 ein ähnliches Fest aus wie es heute gefeiert wurde, mit sicherlich der gleichen geballten Lebensfreude der Brasilianer damals wie heute."

Missionsschwestern

Aktuelles

Spiritualität

Impulse

Missionsmagazin

kontinente

Ordensgründer

Amandus Bahlmann und Elisabeth Tombrock