Interview mit Schwester Xaveria Wang

Schwester Xaveria Wang aus China absolvierte als erste Chinesin an der Maria-Ruckmich-Akademie in Freiburg ihre Ausbildung zur Gemeindereferentin. Inzwischen ist sie nach China zurückgekehrt. In China gibt es noch nicht den Beruf der Gemeindereferentin, obwohl die meisten Schwestern in der Gemeindearbeit tätig sind, jedoch ohne eine professionelle Ausbildung zu haben. Sr. Gudula Thimm, Sankt Augustin, führte das nachfolgende Interview mit Sr. Xaveria:

Sr. Xaveria, Sie fahren jetzt nach China zurück. Was bewegt Sie, wenn Sie an Ihre zukünftigen Aufgaben denken?

Schwester Xaveria: Mein erster Gedanke ist, dass es in China viele Probleme gibt. Aber ich möchte von mir aus anfangen. Was ich glaube, was ich als gut betrachte, das möchte ich weitergeben; meine Ideen, den deutschen Einfluss bei mir, das möchte ich vermitteln. Ich weiß, dass ich behutsam mit meinen Angeboten umgehen muss. Es braucht Zeit. Ich muss sehen, ob die Menschen meine Ideen akzeptieren.

Was hat Sie in Deutschland geprägt?

Mein Blick ist geweitet worden über China hinaus. Wir Chinesen müssen unseren Blick erweitern  z. B. für die Probleme der Umweltverschmutzung, wie das Müllsortieren. Aber ich denke dabei auch an  die spirituelle Armut. Die Chinesen sagen: "Wir sind so arm, wir haben nur Geld." Die pastoralen Erfahrungen in Deutschland werden mir helfen, die Kirche in China mit aufzubauen. Ich bin mit Leib und Seele Chinesin, eine von 1,4 Mrd. Ich glaube fest daran, dass Gott China nicht vergessen hat. Mit dieser Überzeugung werde ich als Missionarin in mein Land zurückkehren. Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass im Modernisierungsprozess Chinas die Mitmenschlichkeit ein Gesicht bekommt.

Sie kehren in Ihre Ordensgemeinschaft zurück. Was erwartet Sie?

Meine Oberin hat mir schon gesagt, dass ich zunächst für meine Mitschwestern ein Weiterbildungsprogramm erstellen soll. Im Noviziat lernen die jungen Schwestern etwas Fundamentaltheologie und Katechese. Sie sind sie nicht vertraut mit der Auseinandersetzung in Glaubensfragen. Ich möchte meinen Mitschwestern helfen, sich mit Glaubensfragen auseinander zu setzen. Die Menschen im heutigen China haben Fragen an die Kirche und an die Christen, aber die Schwestern sind häufig nicht ausreichend vorbereitet, um diese Fragen beantworten zu können.
Ich weiß auch, dass meine Oberin einen ständigen Überlebenskampf für die Finanzierung unseres Lebens führen muss.

Wo sehen Sie Ansätze, Ihre gemachten Erfahrungen in Ihrer Ausbíldung in der chinesischen Kirche einzusetzen?

Der christliche Glaube wächst in den Herzen der Menschen in China. Mein Orden hat mich zum Studium der Gemeindepastoral und Religionspädagogik nach Deutschland geschickt. Ich soll einen Überblick bekommen, wie sich der Glaube im Laufe der Jahrhunderte entfaltet hat. Mein Orden erhofft sich dadurch mehr Sicherheit im Umgang mit den christlichen Lehren und Vorstellungen. Da es in China keine theologisch gebildeten Laien gibt und auch meine Mitschwestern keine pastoral-theologische Ausbildung in der Gemeindearbeit haben, ist es für uns schwer, unsere Arbeit zu reflektieren. Mein Studium soll dafür eine Hilfe sein.

Was ist für Sie künftig wichtig in der Gemeindearbeit?

Ich werde weiter in der Pastoral arbeiten: Menschen geistlich begleiten, versuchen, Ehrenamtliche für die Gemeindearbeit zu gewinnen, sie befähigen, in der Pastoral mitzuarbeiten. Sie können im Katechumenat organisatorische Aufgaben übernehmen und auch die Katechumenen religiös begleiten. Da in China die Einzelkind-Generation heranwächst, wird das zu einem rapiden Rückgang der Ordenseintritte führen. Deshalb ist die Bedeutung der Laien in der katholischen Kirche von großer Bedeutung. Die Laien in die Pastoral einzubinden, das beginnt erst jetzt.

Wie sehen Sie Ihre Berufung als chinesische Ordensfrau?

Ich bin bereit, die geistige und materielle Armut mit meinen Mitmenschen zu teilen. Getragen von der Liebe Gottes möchte ich gemeinsam mit ihnen daran mitwirken, dass das Reich Gottes in China Wirklichkeit wird. Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Es ist besser, mit Taten als mit Worten zu belehren."

Schwester Xaveria, wir wünschen Ihnen für Ihr Wirken in Ihrer Heimat China die spürbar wirkende Kraft des Heiligen Geistes. Gott segne China und seine missionarische Kirche.

Missionsschwestern

Aktuelles

Spiritualität

Impulse

Missionsmagazin

kontinente

Ordensgründer

Amandus Bahlmann und Elisabeth Tombrock