Besuch des Erfgoedcentrum Nederlands Kloosterleven Sint Agatha – Zentrum zur Pflege des niederländischen Klostererbes

Im ältesten Kloster der Niederlande, in Sint Agatha bei Nijmegen, befindet sich seit 2006 ein nationales Klosterarchiv. Unsere Archivarin Sabine Heise machte sich auf den Weg ins Nachbarland, wo sie den Historiker und Bibliothekar Otto Lankhorst traf. Der niederländische Kollege zeigte ihr das Zentrum und konnte viel Interessantes berichten:

Sint Agatha wurde 1371 von Mitgliedern des Ordens vom Heiligen Kreuz (Kreuzherren) gegründet und überstand sogar Reformation und Säkularisation. Noch heute lebt eine kleine Kommunität von Kreuzherren dort. Es ist eine gute Fügung, dass ein Kloster mit einer so besonderen Geschichte ein zentrales Klosterarchiv beherbergt.

Schon früh entwickelten die Ordensgemeinschaften in den Niederlanden ein Bewusstsein für die Bedeutung ihrer Geschichte und den Wert ihres Archivgutes. 1988 wandten sie sich an das Katholische Dokumentationszentrum der Universität Nijmegen und baten um professionelle Hilfe. 1990 entstand ein Beratungszentrum, das die niederländischen Ordensgemeinschaften in Fragen der Archivierung unterstützte. Die niederländischen Orden und Kongregationen überlegten aber auch, wie ihr spirituelles und historisches Erbe auf Dauer erhalten bleiben könne. Ihre Idee: Ein zentrales Klosterarchiv. 2006 entstand das „Erfgoedcentrum Nederlands Kloosterleven“.

Heute haben 100 niederländische Gemeinschaften ihr Schriftgut, ihre Bücher und ihre religiösen Gegenstände im zentralen Klosterarchiv untergebracht. Die Zahlen, die Otto Lankhorst nennt, sind beeindruckend: 5 Kilometer Schriftgut, 30.000 Publikationen und 3700 historische Objekte dokumentieren die Geschichte der Ordensgemeinschaften in den Niederlanden und in deren Missionsgebieten.

Alle schriftlichen Dokumente und Bücher, aber auch Fotos und Filme, werden in klimatisierten Magazinräumen aufbewahrt. Nur so bleiben die Unterlagen in einem guten Zustand. Aus organisatorischen Gründen sind die Unterlagen der Männergemeinschaften und die der Frauengemeinschaften nach Geschlechtern getrennt untergebracht worden. Das Magazin für die Unterlagen Männergemeinschaften befindet sich im Erdgeschoss, das der Frauengemeinschaften ein Stockwerk höher. „Den Schwesterngemeinschaften erzähle ich immer, sie seien näher beim Himmel“, schmunzelt Otto Lankhorst.

Ganz im Himmel, nämlich unter dem Dach, werden Gegenstände des religiösen Brauchtums aufbewahrt. Darunter alte Habite, Heiligenstatuen, Kreuze, Medaillen, Gemälde und Dinge des täglichen Gebetslebens. Froh sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums über die vielen Fotos und Filme, die den Alltag und das Wirken der Ordensgemeinschaften in den Niederlanden und den Missionsgebieten veranschaulichen. Auch wenn das viel Arbeit bedeutet, denn alle Fotos müssen identifiziert und beschrieben werden. Außerdem werden sie digitalisiert. Auf diese Weise ist das Bildmaterial auf Dauer gesichert und kann gleichzeitig über eine Archivierungssoftware eingesehen werden. Ehrenamtliche Kräfte unterstützen die Arbeit der Hauptamtlichen bei der Fotoarbeit und bei der Übertragung alten Filmmaterials auf neue Speichermedien.

Wer im Klosterzentrum zu einem bestimmten Thema oder zu einer bestimmten Ordensgemeinschaft forschen will, hat die Möglichkeit, donnerstags und freitags im Lesesaal zu arbeiten. Vorab muss allerdings die Zustimmung des Ordens oder der Kongregation für die Nutzung eingeholt werden. Alle Archivalien sind mit Hilfe einer Archivierungssoftware verzeichnet worden, was die Suche nach historischen Quellen erleichtert. Außerdem stehen Otto Lankhorst und seine Kolleginnen und Kollegen Forschenden gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Im Museum des Zentrums veranschaulichen verschiedene Exponate, wie der Alltag von Ordensleuten früher aussah. Neben der Dauerausstellung gibt es auch jährlich wechselnde Ausstellungen. Aktuell gezeigt wird eine Ausstellung über die Missionstätigkeit der Weißen Väter und Weißen Schwestern.

Sint Agatha ist vom Bistum Münster aus gut mit dem Auto zu erreichen. Wer in einem Ordensarchiv arbeitet, sich für die Geschichte von Ordensgemeinschaften interessiert oder ein schönes, denkmalgeschütztes Kloster besichtigen will, sollte unbedingt Richtung Niederlande aufbrechen. Archivarin Sabine Heise kehrte jedenfalls mit vielen Eindrücken und Erkenntnissen nach Münster zurück.

Herzlich bedanken wir uns bei Herrn Otto Lankhorst, der sich für den Besuch von Frau Heise viel Zeit genommen hat.

Weitere Informationen, Öffnungszeiten und Führungen: www.erfgoedkloosterleven.nl

Kontakt: info@erfgoedkloosterleven.nl

21.09.2017

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