„In diesem Winter war es so richtig kalt.“ Frostige Zeiten im Missionskloster St. Josef

Über kein Thema wird so oft gesprochen wie über das Wetter. Das Wetter ist ein guter Einstieg in ein Gespräch. Extreme Wetterlagen füllen Nachrichtensendungen, Zeitungs- und Internetseiten. Menschen glauben ganz genau zu wissen, wie das Wetter früher war. Auch wir. Ein Bericht über das Winterwetter vor 90 Jahren.

Im Schnee: Das Missionskloster St. Josef am 8. Dezember 1928.
Im Schnee: Das Missionskloster St. Josef am 8. Dezember 1928.

Als am 8. Dezember 1928 das Kloster St. Josef in Münster-Wilkinghege eingeweiht wurde, freuten sich die Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis über den vielen Schnee, der dem neuen Gebäude seinen Glanz verlieh. Keine ahnte, dass der weißen Pracht eine lang anhaltende Frostperiode mit extremen Minusgraden folgen würde. „In diesem Winter war es so richtig kalt“, klagte die Chronistin des neuen Klosters im März 1929. Zu Recht. Dank historischer Wetteraufzeichnungen wissen wir heute, dass der Winter 1928/29 in Deutschland der kälteste des 20. Jahrhunderts war. An einigen Orten sanken im Februar 1929  – dem kältesten Monat des 20. Jahrhunderts – die Temperaturen auf -25 Grad, zum Teil sogar auf unter -30 Grad. Ostsee und Nordsee waren stark vereist, sämtliche Flüsse und Seen in Deutschland zugefroren.

Der vereiste Rhein, 23. Februar 1929. Aus dem Nachlass von Sr. Ulrica Volkmar.
Der vereiste Rhein, 23. Februar 1929.
Der vereiste Rhein, 23. Februar 1929. Aus dem Nachlass von Sr. Ulrica Volkmar.
Der vereiste Rhein, 23. Februar 1929.

In Münster zeigte das Thermometer zwar keine unter -30 Grad, doch litten die Menschen auch hier unter der eisigen Kälte. Die Schwestern im Missionskloster St. Josef erlebten ungemütliche Zeiten. In der Provinzchronik heißt es:

„Durch die starke Kälte fiel der Verputz von den Wänden. Die Wasserleitungen froren zu. Außerdem lieferte der Brunnen schlechtes Wasser. Wochenlang haben die Postulantinnen in Eimern und Kannen das Wasser vom nächsten Nachbarn, Familie Hülsken,  geholt. Der Sturm fegte Teile des Daches hinweg. Koks wurde in Mengen verbrannt. In der Kapelle war es so bitter kalt, daß alle gemeinsamen Gebete im Schwesternzimmer oder Refektorium verrichtet wurden.“

Der enorme Koksverbrauch ließ zwar die Lebenserhaltungskosten steigen, nicht aber die Temperaturen in den Klosterräumen. Als Folge der extremen Kälte waren Ostern fast alle Schwestern krank und ein Drittel der Kommunität lag zu Bett. „Die schönen bunten Eier wanderten wieder in die Küche“, bedauerte die Chronistin.

Aber zum Glück „nur kurze Zeit und alles war wieder in Ordnung.“ Denn auf den Schnee folgte Sonnenschein. Und im Frühjahr war „die Härte des Winters gebrochen.“

Blühendes Leben: Das Missionskloster St. Josef im Frühling.
Das Missionskloster St. Josef im Frühling.

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