Gespräch mit Sr. Gertrud und Sr. Rita über die Adventszeit

Der Advent ist eine Zeit der Sehnsucht, des Wartens und des Erinnerns. In dieser besonderen Atmosphäre entsinnen sich viele Menschen an vergangene Vorweihnachtszeiten.

Sr. Gertrud ist vor zwei Jahren von der Kommunität Meckenheim nach Münster in das Lourdeskloster gezogen. Sr. Rita lebte viele Jahre in Griethausen und wohnt seit Oktober hier. Ein Gespräch über die Adventszeit.

Sr. Rita und Sr. Gertrud, würden Sie mir bitte erzählen, wie Sie die Adventszeit in Ihrer Kindheit und Jugend erlebt haben?

Sr. Rita: In meiner Kindheit war ein Adventskranz noch nicht üblich. Mein ältester Bruder hatte eine Ausbildung zum Gärtner gemacht. Von ihm wollte ich unbedingt einen Adventskranz. Weil er keine Zeit dafür hatte, habe ich mir selbst einen Adventskranz gebastelt. Das war mein erster Adventskranz.

In den kirchlichen Jugendgruppen spielte der Advent als Vorbereitungszeit auf Weihnachten eine große Rolle. Sie begann mit dem Christ-Königsfest, dem Bekenntnis-Sonntag. Außerdem war die Adventszeit für mich eine Zeit der Stille.

Als ich viele Jahre später in unserer Kommunität in Griethausen lebte, habe ich in jedem Jahr für unser Haus einen großen Adventskranz gesteckt. Und Adventmeditationen und Andachten vor Folienbildern gestaltet. Wir, die Sozialarbeiterin und ich, haben uns mit den Bewohnern des Altenheims zusammengesetzt, Lieder gesungen und Geschichten vorgelesen. Besonders auch am Nikolaustag und in der letzten Woche vor Weihnachten. Wir haben gezielt Advent gefeiert. Sehr viel Wert haben wir darauf gelegt, dass der Christbaum nicht schon Wochen vorher brannte. Alle wussten, dass der Christbaum erst Heiligabend zur Christmette angemacht wurde. Dann gab es eine schöne Feier mit den Bewohnern. Mittags wurde festlich gegessen und abends die Christmette gefeiert. Dazu war die ganze Gemeinschaft eingeladen, einschließlich wir als Bewohner. Und wer vom Dorf kommen wollte, war dabei.

Adventskranz.

Sr. Gertrud: In der Adventszeit wurde vieles von den Eltern und den Geschwistern heimlich vorbereitet. Die Eltern fuhren in dieser Zeit einmal in die Stadt, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Es wurde auch viel gebacken, denn wir waren dreizehn Geschwister. Meine Kindheit fiel in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Zwei Brüder waren als Soldaten im Krieg. Mein ältester Bruder war lange in Kriegsgefangenschaft. Er kam erst 1948, am Samstag vor dem ersten Advent, nach Hause.  

Ich war auch in einer Jugendgruppe und zwar in der Landjugend. Dort war ich Gruppenleiterin einer Gruppe. Wir Mädchen haben überlegt: „Was machen wir in der Adventszeit?“ – und arme Familien beschenkt.

Zuhause hatten wir auch keinen Adventskranz. Viele Jahre später, in der Kommunität in Meckenheim, wurde die Adventszeit natürlich mit Adventskranz und Adventsliedern begangen. Geprägt war die Adventszeit auch von einem dreitägigen Adventsbasar. Es gab einen Kreis Meckenheimer Frauen, die sich einmal in der Woche trafen und das ganze Jahr handarbeiteten. Diese Handarbeiten wurden auf dem Adventsbasar verkauft und brachten immer einen großen Ertrag. Das Geld war in der Hauptsache für Projekte unserer Schwestern in Brasilien bestimmt.

Sr. Gertrud, Sie sind vor zwei Jahren am 16. Dezember in das Lourdeskloster gezogen. Wie haben Sie die Adventszeit damals erlebt?


Sr. Gertrud: Zu dieser Zeit habe ich die Adventszeit nicht richtig wahrgenommen, denn ich war mit Sack und Pack umgezogen, aber mit mir selber längst nicht.

Letztes Jahr habe ich die Adventzeit im Lourdeskloster erstmals ganz bewusst erlebt. Ich habe viel Weihnachtspost bekommen und auch viel geschrieben, weil ich den Meckenheimern zu Dank verpflichtet war.

Weihnachtspost.

Sr. Rita, Sie leben seit Oktober im Lourdeskloster. Bekommen Sie auch so viel Post?

Sr. Rita: Doch, weil die letzte Zeit in Griethausen sehr intensiv war. Ich bekomme immer wieder Besuch oder eine WhatsApp. Die Menschen erkundigen sich, wie es mir geht.

Ich bin bewusst zwei Monate vor der Adventszeit umgezogen, weil ich dachte: „Kurz vor Weihnachten, mitten in den Vorbereitungen weggehen, das schaffe ich nicht.“

Ich bin froh, dass ich die ganze Adventszeit hier erleben darf, wo ich mit der Gemeinschaft zusammen beten kann. Ich habe das Glück, dass ich noch nach draußen gehen kann. Deshalb konnte ich am Prinzipalmarkt genau beobachten, wie sie dort die Kränze aufhingen, die Kerzen draufmachten und jetzt alles erleuchtet ist.

Sr. Gertud: Komischerweise habe ich noch die Vorweihnachtszeit im Gedächtnis, wie sie vor mehr als 50 Jahren im Loudeskloster war. Damals habe ich als junge Schwester von 1962 bis 1964 hier im Haus gelebt. Mir kam so manches wieder in Erinnerung, was ich mit der verstorbenen Schwester Ansgardis erlebt habe.

In der Adventszeit haben wir zusammen das Haus geschmückt und Tannenzweigen an die Wände gehängt, geschmückt mit Kugeln, Schleifen und Bändern. Damals war das Lourdeskloster ein Altenheim mit mehreren Stationen. Ich habe auf einer Altenstation gearbeitet, war aber auch zum Teil in der Küche. Manchmal dachte ich im vergangenen Jahr: Vieles ist noch wie vor fünfzig Jahren. Einige Dinge gibt es immer noch.

Sie beide leben in einem Kloster, mitten in der Stadt und in nächster Nähe zum Trubel des Weihnachtsmarktes. Was wünschen Sie sich und anderen Menschen für die Adventszeit?

Sr. Rita und Sr. Gertud: Stille …

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