Geschichte der deutschen Provinz vom Heiligen Josef

Das erste Lourdeskloster, der so genannte Rumpsche Hof in der Frauenstraße in Münster, 1915.

Anfänge


Die Gründung der ersten Niederlassung der Missionsschwestern in Deutschland fällt in die Zeit des Ersten Weltkriegs (1914–1918). Mutter Immaculata, die sich bei Kriegsbeginn im Sommer 1914 zu Besuch in Deutschland befand, konnte nicht nach Brasilien zurückreisen. Alle Grenzen waren geschlossen. Sie nutzte die Zeit, um eine Unterkunft für den deutschen Ordensnachwuchs zu suchen. Bisher – quasi als Notlösung – hatten die Klarissen in Münster interessierte junge Frauen auf das Ordensleben in Brasilien vorbereitet. Mutter Immaculata fand zunächst eine kleine Wohnung in Münsters Innenstadt (Verspoel). Dann bot sich eine bessere Lösung: ein Haus in Frauenstraße. In Erinnerung an Mutter Immaculatas Heilung erhielt es den Namen Loudeskloster.

1918 wurde das Lourdeskloster Noviziatshaus. Schon bald zeigte sich, dass zunehmend mehr Frauen der Gemeinschaft beitreten wollten: Ein größeres Kloster wurde gebraucht. 1928 entstand mit dem Missionskloster St. Josef in Münster-Wilkinghege eine zweite Niederlassung in Deutschland. Bis 1939 reisten zahlreiche junge Frauen nach Brasilien, in die USA (ab 1922) und nach China (ab 1932), um dort als Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis auf die Nöte der Menschen zu reagieren.

Das neu erbaute Missionskloster St. Josef in Münster-Wilkinghege an der Steinfurter Straße, 1929.

Nationalsozialistische Diktatur und Zweiter Weltkrieg


1933 errichtete die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) in Deutschland eine Diktatur. Die neuen Machthaber wollten alle Ordensgemeinschaften – außer die in der Krankenpflege tätigen – aus dem gesellschaftlichen Leben verdrängen. Veränderte Steuer- und Devisengesetze bedrohten die wirtschaftliche Existenz vieler Klöster. Missionsgelder durften nicht mehr überwiesen werden. Briefe wurden kontrolliert. Hausdurchsuchungen und Verhaftungen von Ordensleuten erzeugten ein Klima der Angst. Das Ausreisen in die Missionsländer wurde unmöglich.

Im Juli 1941 beschlagnahmte die Geheime Staatspolizei (GeStaPo) das Lourdeskloster und das Missionskloster St. Josef und wies die Schwestern aus Münster aus. Mit Hilfe des Bischofs Clemens August Graf von Galen fanden sie Aufnahme bei krankenpflegenden Schwesterngemeinschaften im Oldenburger Land. Bis Kriegsende arbeiteten die Missionsschwestern in Krankenhäusern, Lazaretten sowie in einzelnen Pfarrgemeinden zum Wohl vieler Menschen.

Neue Aufgaben


Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur und dem Ende Zweiten Weltkriegs in Europa am 8. Mai 1945 kehrten die Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis nach Münster zurück. Sie bezogen das Missionskloster St. Josef, denn das Lourdeskloster war bei einem Bombenangriff im Oktober 1943 zerstört worden. Erst 1952 konnte der Wiederaufbau beginnen. Im März 1953 wurde das neue Lourdeskloster eingeweiht. 

Neubau Lourdeskloster, 1952.

Die Missionsschwestern im kriegszerstörten Deutschland machten das eigene Land zum Schwerpunk ihrer Missionstätigkeit. Sie versorgten Flüchtlinge und Vertriebene und arbeiten in Krankenhäusern, Altenheimen, Kindergärten sowie im pastoralen Dienst. Ab 1949 erfolgen vereinzelt Aussendungen nach Brasilien, in die USA und auf die Philippinen. Als sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland stabilisierten, organisierte die Missionsprokur verstärkt Fördergelder für Projekte der Schwestern außerhalb Deutschlands. 1962 nahm die deutsche Provinz vom Heiligen Josef die Arbeit in Namibia auf.

Aufbrüche


1960 wurde die Kongregation in „Provinzen“ unterteilt. In Deutschland entstand die Provinz vom Heiligen Josef. Sie bestand zu dieser Zeit aus Niederlassungen (Kommunitäten) in Münster, Wadersloh, Griethausen, Homberg, Hagen, Nienberge, Meckenheim  und Bardel. Mit großem Interesse verfolgten die Schwestern den Verlauf des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965), das das Verhältnis der katholischen Kirche zur modernen Welt neu bestimmte. Das Dekret „Perfectae caritatis“ (Über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens) forderte die religiösen Gemeinschaften zu Reformen auf. Bei den Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes begann ein mehr als 20-jähriger Erneuerungsprozess.

Ermutigt durch den Aufbruch in der Kirche weiteten die Missionsschwestern in den 1970er Jahren ihr Engagement im pastoralen Bereich aus. Zusammen mit anderen Ordensgemeinschaften organisierten sie „Begegnungstage mit Ordensleuten und Jugendlichen“ sowie „missionarischen Jugendtreffen“, an denen viele Mädchen und Jungen teilnahmen. 1985 wurde das Ökonomiegebäude St. Konrad in Münster-Wilkinghege zu einer Begegnungsstätte und einem Noviziatshaus umgebaut.

Treffen mit Jugendlichen im Begegnungshaus St. Konrad. In der Mitte Schwester Magdalena Heeke.

Gemeinsam und solidarisch


Trotz dieses Engagements traten in Deutschland nach 1970 nur noch vereinzelt junge Frauen der Gemeinschaft bei. Als Folge mussten die Missionsschwestern Aufgaben abgeben und Kommunitäten aufgeben. Der wohl größte Einschnitt wurde der Verkauf des Missionsklosters St. Josef im Jahr 2000.

Die Gemeinschaft hat sich verändert. Kamen früher die meisten Schwestern aus Deutschland und den USA, so treten heute überwiegend Frauen aus Brasilien und dem asiatischen Raum der Gemeinschaft bei. Die Quellen der Berufungen haben sich vom globalen Norden und Westen zum Süden und Osten hinbewegt. Dabei hat jedes Land bzw. jede Provinz eigene Missionsaufgaben entwickelt. Gleichzeitig versuchen die Schwestern eine Internationalität zu leben, die geschwisterlich, franziskanisch und multikulturell ist.

Erinnerungsfoto an den Besuch von Father John Schwieters und Schwester Petronila de Sousa Soares 2006.

Auf internationalen Treffen begegnen sich junge und alte Schwestern aus unterschiedlichen Kulturen und tauschen ihre Erfahrungen miteinander aus. Die Missionsprokur im Provinzialat in der Bäckergasse unterstützt Projekte der internationalen Gemeinschaft. In Solidarität mit den Problemen des Hungers, der Folter, der Ungerechtigkeit, des Friedens und der Bewahrung der Schöpfung ist die Provinz vom Heiligen Josef Mitglied bei „Franziscan International“ (in der UNO vertreten), bei „ACAT“ (Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter) und bei „Solvodi“ (Solidarität mit Frauen in Not).

Ein Schwerpunkt der deutschen Provinz ist heute die eigene Gemeinschaft, in der sich die Schwestern im Prozess des Älterwerdens begleiten. Im vertieften geistlichen Leben und im fürbittenden Gebet für alle, die ein Gebetsanliegen haben, sieht die Provinz vom Heiligen Josef ihre Sendung.


Buchinformation

Das Buch "Geschichte der deutschen Provinz vom Heiligen Josef".

Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes 1910-2010
Geschichte der deutschen Provinz vom Heiligen Josef

Buchinformationen:
2011, 357 Seiten, Maße: 16,4 x 23,6 cm, Gebunden, Deutsch
Autorin: Sabine Heise
Verlag: Aschendorff Verlag
ISBN: 978-3-402-12895-4

Missionsschwestern

Aktuelles

Spiritualität

Impulse

Missionsmagazin

kontinente

Ordensgründer

Amandus Bahlmann und Elisabeth Tombrock