Die Ordensgründer: Bischof Amandus Bahlmann und Mutter Immaculata Tombrock

Bischof Amandus Bahlmann (1862-1939) und Schwester Immaculata Tombrock (1887-1938).

Der Sommer 1910 führte zwei Menschen mit einer je eigenen Lebensgeschichte zusammen.

Bischof Amandus Bahlmann


Amandus (August) Bahlmann wurde am 8. Mai 1862 in Bartmannsholte (Oldenburger Münsterland) geboren. Ermutigt durch sein religiöses Elternhaus wollte er schon als Heranwachsender Ordenspriester und Missionar werden. Im Franziskanerorden fand er eine Gemeinschaft, in der er seiner Berufung folgen konnte. 1888 empfing Amandus Bahlmann in Rom seine Priesterweihe. Anschließend promovierte er in Theologie und Philosophie und gab Philosophie-Unterricht.

Als Papst Leo XIII. 1890 die deutsche Franziskanerprovinz vom Heiligen Kreuz beauftragte, die katholische Kirche in Brasilien zu erneuern, reiste Pater Amandus nach Südamerika. Er führte Volksmissionen bei deutschen Auswanderern durch und baute die fast ausgestorbene Franziskanerprovinz in Brasilien wieder auf. 1906 wurde Amandus Bahlmann zum Prälaten von Santarem ernannt. 1908 erteilte ihm Papst Pius X. in Rom die Bischofsweihe.

Bischof Amandus Bahlmann mit Schwestern auf der Überfahrt nach Brasilien, 1934.

Als Seelsorger stieß Bischof Bahlmann bei vielen Menschen in seiner Prälatur auf Armut, fehlende Bildung und soziales Elend. Besonders betroffen waren Kinder und Jugendliche. Er suchte deshalb nach einer Schwesterngemeinschaft, die sich der Erziehung und Ausbildung von Kindern annahm: doch ohne Erfolg. Dafür konnte er vier Schwestern aus einem kontemplativen Kloster in Rio de Janeiro für die Mitarbeit gewinnen.

Die noch fehlende pädagogische Fachkraft für die Erziehung und die Ausbildung von Kindern fand er in Deutschland. Hier begegnete er im Sommer 1910 der Lehrerin Elisabeth Tombrock, die nach ihrer Heilung in Lourdes Ordensschwester werden wollte. „Es schien etwas gewagt zu sein, eine Postulantin so nach Brasilien zu führen, doch niemand schien das Wagnis zu merken, am wenigsten die Postulantin selbst“, bemerkte Amandus Bahlmann später in seinen Memoiren. Doch die Postulantin Elisabeth (Sr. Immaculata) Tombrock war eine mutige Frau, die fest auf die helfende Fürsprache Mariens und die Göttliche Vorsehung vertraute.

Elisabeth Tombrock


Elisabeth Tombrock, die spätere Schwester Immaculata, wurde am 14. November 1887 in Ahlen (südöstliches Münsterland) geboren. Schon früh hatte Elisabeth den Wunsch, ein aktives religiöses Leben zu führen. Doch zunächst entschied sie sich für den Lehrerinnenberuf. 1902 begann sie in Münster eine Lehrerinnenausbildung, die sie trotz schwerer Krankheitsphasen erfolgreich zu Ende brachte. 1907 zog sie nach Mülheim an der Möhne (Sauerland), wo sie mit viel Einsatz und Begeisterung an der Volksschule unterrichtete.
 
Elisabeth Tombrock musste ihr Engagement für die Kinder schon bald aufgeben, weil sie im Frühjahr 1908 an Lungen- und Knochentuberkulose erkrankte. Krankenhausärzte wollten ihren mit Tuberkeln befallenen rechten Arm amputieren. Doch Elisabeth Tombrock lehnte dies ab. Stattdessen setzte sie ihr Vertrauen auf eine Lourdes-Fahrt. In dem französischen Wallfahrtsort, bekannt für seine Heilungswunder, hoffte sie gesund zu werden.

Elisabeth Tombrock in der Pilgergruppe.

Am 11. August 1909 traf Elisabeth Tombrock mit einer Pilgergruppe in Lourdes ein. Mehrfach besuchte sie die Grotte, wo im Frühjahr 1858 der 14-jährigen Bernadette Soubirous  die Mutter Gottes erschienen war. Hier suchte sie Zuflucht bei Maria und bat um Heilung. Am 15. August nahm die junge Lehrerin an der Sakramentsprozession teil. Inmitten tausender Gläubiger erlebte Elisabeth Tombrock das Wunder der Heilung. Später berichtete sie über diesen Augenblick:

„Wie mir zumute war, als ich zum ersten Mal nach 8 Monaten wieder die Hände falten konnte, das kann ich nicht beschreiben. Von allen Seiten wurde ich umringt. Jeder wollte die geheilte Hand drücken. Mit Hunderten, ja Tausenden kniete ich vor der Grotte, um zu danken. Aber Worte finden vermochte ich nicht. Ich hatte nur stille, glückliche Tränen. In diesem Augenblick war der Missionsberuf geboren.“

Zurück in Deutschland war Elisabeth Tombrock verändert. Immer stärker verspürte sie den Wunsch, Ordensschwester zu werden. Zunächst dachte sie über einen Eintritt in den kontemplativen Klarissenorden nach. Dies hätte allerdings bedeutet, ihren geliebten Lehrerinnenberuf aufgeben zu müssen. Doch es kam anders: Als die Klarissen in Münster von Bischof Bahlmanns Suche nach einer Lehrerin erfuhren, dachten sie sofort an Elisabeth Tombrock. Schnell wurde der Kontakt hergestellt. Im Juli 1910 traf Elisabeth Tombrock Bischof Bahlmann. Die junge Lehrerin war nun überzeugt, dass Gott sie als Missionsschwester in Brasilien haben wolle. Auf Wunsch Bischof Bahlmanns erklärten sich die Klarissen bereit, Elisabeth Tombrock auf das Ordensleben vorzubereiten. Am 15. August 1910, dem ersten Jahrestag ihrer Heilung, wurde sie im Klarissenkloster in Münster provisorisch eingekleidet. Aus Elisabeth Tombrock war Schwester Immaculata geworden.

Bischof Amandus Bahlmann und Mutter Immaculata Tombrock.

Bischof Amandus Bahlmann und Mutter Immaculata Tombrock:
Gemeinsames Werk


Mutter Immaculatas Wunsch: „Ich hoffe, dass mir noch viele folgen werden“, erfüllte sich.
Ab 1911 traten zahlreiche junge Frauen der neuen Gemeinschaft bei. So konnten bald weitere Niederlassungen in Brasilien, in Deutschland (ab 1915), in den USA (ab 1922) und in China (ab 1931) entstehen.

Gemeinsam arbeiteten Bischof Bahlmann und Mutter Immaculata Tombrock daran, der neuen Ordensgemeinschaft eine solide spirituelle und organisatorische Basis zu geben. 1925 nahmen die Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes die Regel des Dritten Regulierten Ordens des Heiligen Franziskus an. 1929 wurde die Gemeinschaft als Kongregation päpstlichen Rechts anerkannt. Sitz des Generalates war seit 1922 St. Bonaventure / USA (heute: West Paterson / USA). 

Von 1922 bis 1936 übte Mutter Immaculata das Amt der Generaloberin aus. Da sie seit einem Unfall in St. Bonaventure (USA) schwer behindert blieb und nicht mehr reisefähig war, hatte Bischof Bahlmann das Generalat dort eingerichtet. Mutter Immaculata starb am 23. April 1938 in den USA, Bischof Bahlmann am 5. März 1939 in Italien. Die Ordensgründer hinterließen ein gemeinsames Werk, das sich trotz Kriegs- und Krisenzeiten erfolgreich weiterentwickelte. Heute engagieren sich Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis in Angola, in Brasilien, in Deutschland, in Namibia, in den USA, auf Taiwan und auf den Philippinen  im pädagogischen, sozialen und pastoralen Bereich.

Grab von Bischof Bahlmann in Santarem (links) und Grab von Mutter M. Immaculata (rechts).

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