Nachlese Dreifaltigkeitssonntag: 30. Mai 2021

Lesung: Römer 8, 14-17  
Evangelium: Matthäus 28,16-20

Vater, Sohn und Heiliger Geist: Drei "Personen", sagt die Theologie, sind Gott. | Foto: pixabay.com

Texte von Prof. Dr. Lüke, Münster, zur Verfügung gestellt:

Einführung:

Am heutigen Tag begehen wir den Dreifaltigkeitssonntag. Gott ist, widersinnig für alle Logik, Einheit und Vielfalt zugleich. Er ist in der Zeit und jenseits aller Zeit, also ewig. Gott ist einer und zugleich Gemeinschaft in sich.  -  Vor allem aber: Gott ist die dreifach liebende Zuwendung. Im Vater verehren wir den Gott, der den schier unendlichen Kosmos und den armselig endlichen Menschen erschuf. In Jesus Christus verehren wir den Gott, der inmitten aller Dunkelheiten dieser Geschichte an die Seite des Menschen tritt und ihn seiner Nähe würdigt. Im Hl. Geist verehren wir den Gott, der in uns wirkt, der uns näher ist, als wir uns selbst. Gott ist Geheimnis, aber wir sind getragen, getröstet, geliebt von ihm. Wir sind sein Abbild; am Ende vollenden wir uns in ihm.

Tagesgebet:

Herr, wir bitten dich: Rede du zu uns. Sprich du uns an. – Menschen können wohl Worte machen, aber du erfüllst sie mit Geist. – Menschen lehren den Buchstaben, aber du öffnest den Sinn. – Lass nicht zu, dass wir dein Wort hören und überhören, dass wir es nur wahrnehmen, aber nicht wahr machen. Sprich du uns an, mach uns nachdenklich, geh du uns zu Herzen, dass wir begreifen und begreiflich machen, wie sehr du uns liebst. Darum bitten wir durch …

Predigt:

Wir feiern am Sonntag nach Pfingsten das Fest der Hl. Dreifaltigkeit. Ist der Glaubenssatz vom dreifaltigen Gott eine spezielle Spinnerei von Theologen und Philosophen? Ich möchte Ihnen zeigen, dass und wie dieser Glaubenssatz den Kern unseres menschlichen Selbstver-ständnisses betrifft und bestimmt.

1. Gott, der Vater: Wenn wir Christen an Gott, den Vater, als den Schöpfer von allem glauben, dann erinnert das an die bleibende Herkunft des Menschen von Gott und die verheißene Zukunft in Gott. D.h. der Mensch schafft sich nicht selbst, sondern findet sich als Geschöpf vor. Er ist sich, wo er über sich nachzudenken beginnt, schon als ein auf den Wegen der kosmologischen, chemischen, biologischen und kulturellen Evolution Gewordener vorgegeben. Aber aus dem im schöpferischen Gott gegebenen gleichen Ursprung aller Menschen ergibt sich auch die grundlegende Forderung der Gleichheit aller Menschen; denn sie alle sind unterschiedslos Kinder Gottes.- Ja, der Mensch ist und bleibt Geschöpf, was auch immer er selbst als physikalischer, chemischer und biologischer oder auch technologischer Mitschöpfer zu Wege bringt. Unter der Prämisse seiner bleibenden Herkunft von Gott kann und muss der Mensch allerdings sehr wohl mitschöpferisch tätig sein. Und hier ist das Tätigkeits- und Bewährungsfeld des Menschen  a) von der forschenden Konstatierung von Naturgesetzen über   b) die technologische Konstruierung von artefiziellen Objekten auch aus dem Bereich von IT- und Bio-Engineering bis hin  c) zur lebensweltlichen, philosophischen oder theologischen Konstituierung eines Sinn- bzw. Zweckzusammenhangs dieses Tuns.

2. Gott, der Sohn: Der Gott, an den wir Christen glauben, bleibt nicht einfach ferne Vergangenheit oder ferne Zukunft für uns. Er tritt in Jesus Christus als Mensch in unsere menschliche Geschichte ein. Erst der selber in die Schöpfung eintretende, der menschlich entgegenkommende, der sich als Mensch menschlich verstehbar machende Gott ist der in den Grenzen des Menschen annähernd verständliche Gott. Nicht ein definitorisches, sondern ein deikktisches Wissen, d.h. kein beweisendes sondern ein hinweisendes Wissen von Gott ist dem Menschen möglich, ein Wissen, das angibt in welche Richtung zu denken ist, wenn über Gott nachgedacht wird. Verbunden mit der Person Jesu sind die Weisungen der Bergpredigt, die um die Gottes- und Nächstenliebe herum konzipiert sind, und die goldene Regel, also auch für andere, nicht nur religiös inspirierte Ethikkonzepte anknüpfungsfähige universalisierbare Weisungen. Im Übrigen ist auch die Klassifizierung des Christentums als katholisch ursprünglich keine konfessionalistische Engführung und Eingrenzung sondern eine ins Universale zielende Entgrenzung; dass das Griechische „Kat holon kosmon“ meint allumfassend. Das christliche Menschenbild ist kein nur auf Christen eingeschränktes exklusives, sondern ein alle Menschen gleichermaßen würdigendes inklusives Menschenbild.

3. Gott, der Hl. Geist: Jeder Mensch ist auf einmalige Weise inspiriert von Gott, dem Hl. Geist. Jedem Menschen ist durch diesen Glaubenssatz seine unwiederholbare Einmaligkeit, seine prinzipielle Unvertretbarkeit, seine unzerstörbare Gottunmittelbarkeit, aber auch seine bleibende Rechenschaftspflicht zugesagt. Dies trinitarisch begründete und gegründete Menschenbild sagt dem Menschen, dass er nicht alles darf, was er kann; denn er ist und bleibt Gott gegenüber für sich, für sein Tun und Denken rechenschaftspflichtig. Dies trinitarische Menschenbild sagt aber auch, dass er weit mehr darf als er derzeit kann, und sogar, dass er weit mehr denken und tun muss, als er derzeit realisiert. Denn die Auszeichnung des Menschen als Mitschöpfer ist keine Erlaubnis, sich als Zuschauer im Lehnstuhl der Geschichte auszuruhen, ist keine Stillstellung, sondern eine prinzipielle Herausforderung menschlicher Kreativität. Dies Mitschöpfersein ist Gabe des Himmels und bleibende Aufgabe für die Erde. – Dieses von der Trinität her formulierte Menschenbild mag ein wenig idealtypisch anmuten. Es war und ist auch den religiösen Menschen nicht allerorten, jederzeit und vollumfänglich diese transzendentale Verankerung oder Fundierung ihres Menschenbildes begrifflich klar und bewusst. Es ist aber wohl so, dass es von der Antike bis heute allerorten, jederzeit einige gab, die dieses reflektierte Bewusstsein hatten und weitergaben. Sie sind die lebenden und andere belebenden Beispiele eines an Gott orientierten Menschenbildes. Nahezu alle totalitären politischen Systeme, seien sie monarchistisch, nationalistisch, sozialistisch, kommunistisch orientiert, haben versucht, Religionen mit einem derartigen in Gott begründeten Menschenbild grundsätzlich auszumerzen, streng zu reglementieren oder zumindest systemkonform einzuhegen. Sein Von-Woher als Schöpfung Gottes des Vaters, sein an der Mitmenschlichkeit Gottes in Jesus Christus zu orientierendes Dasein in der Zeit und sein zuinnerst von Hl. Geist geprägtes, sein die konkrete Raumzeit überschreitendes Worauf-Hin verleihen dem Menschen eine durch nichts und niemanden zu verleihende oder abzusprechende, eine bleibende Menschenwürde von Gottes Gnaden.

Fürbitten: Nach jeder Bitte halten wir einen Augenblick Stille.

Am Ende der Pfingstoktav bitten wir nochmals Gottes Geist um sein Wirken in dieser Kirche, in dieser Gemeinde, in einem jeden von uns.

1) Öffne unsere Ohren, Heiliger Geist, damit wir den Menschen neben uns und deine Botschaft wirklich hören können.
Kehrvers: GL 645, 3  - Sende aus deinen Geist …
2) Öffne unsere Augen, Heiliger Geist, damit wir den Menschen neben uns und die Schönheit deiner Schöpfung sehen können.
3) Öffne unseren Mund, Heiliger Geist, damit wir der Wahrheit die Ehre und den Menschen Ermutigung geben können.
4) Öffne unsere Hände, Heiliger Geist, damit wir der Wahrheit die Ehre und den Menschen Ermutigung geben können.
5) Öffne unser Herz, Heiliger Geist, damit wir aus der Fülle empfangen und trotz unserer Armut geben können.     
6) Öffne unseren Verstand, Heiliger Geist, damit wir deine Herrlichkeit erahnen und den Menschen bezeugen können.

Komm, Heiliger Geist, und erfülle Hirn, Herz und Hand deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Menschlichkeit und Liebe. Amen

Schlussgebet:

Dich lobe ich dreieiniger, lebenspendender Gott. Dich lobe ich Gott, Vater, du Schöpfer der Welt und allen Lebens. Du rufst mich bei meinem Namen. Bei dir finde ich Halt und Geborgenheit, das Ziel und die Vollendung meines Lebens. –
Dich lobe ich, Jesus Christus, mein Bruder. Alles Menschliche ist dir vertraut. Du begegnest mir in meiner Freude und in meinem Leid, in meinem Hoffen und in meinem Scheitern. Du bist stärker als der Tod. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. –
Dich lobe ich Heiliger Geist, du meine Stärke. Du gibst mir den Kraft und den langen Atem, der Geduld und Gelassenheit, der Barmherzigkeit und Versöhnung. Du öffnest Herz und Verstand. Wo du wirkst, schwindet alle Angst. –
Dich, Vater, Sohn und Geist lobe ich, dich, den dreifaltigen, lebenspendenden Gott. Amen.

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