Nachlese Dritter Ostersonntag: 18. April 2021

Lesung: Apostelgeschichte  3, 12a.13 – 15.17-19  
Evangelium: Lukas 24,35-48

Die Statue des Heiligen Petrus, die 1847 auf Wunsch von Papst Pius IX. auf dem Petersplatz in Rom aufgestellt wurde. | Foto: Michael Bönte, Kirche+Leben
Die Statue des Heiligen Petrus, die 1847 auf Wunsch von Papst Pius IX. auf dem Petersplatz in Rom aufgestellt wurde.

Texte von Prof. Dr. Lüke, Münster, zur Verfügung gestellt:

Einführung:

Die Lesung aus der Apostelgeschichte stellt uns einen Petrus vor Augen, der sich mutig vor dem jüdischen Volk und vor dessen Führern zu Christus als dem Gekreuzigten und Auferstandenen bekennt. Nicht lange vorher, bei der Gefangennahme Jesu war er getürmt, hatte Jesus verleugnet und sich aus Angst mit den anderen Jüngern hinter verschlossenen Türen verschanzt. Und nun hat er die Stirn, diejenigen öffentlich anzuklagen, die den Tod Jesu verursacht haben. Die verwandelnde Kraft von Ostern, die Erfahrung des Auferstandenen befähigen ihn selbst in Todesgefahr zu diesem Lebenszeugnis.
Der Petrus von damals könnte auch uns Menschen heute ermutigen, aus aller Todesangst zur Lebenshoffnung aufzubrechen. Wo ist in einer Welt des Todes heute mein Lebenszeugnis gefragt?

Tagesgebet:

Herr, unser Gott, durch die Auferweckung Jesu Christ hast du die Welt mit Hoffnung und Freude erfüllt. Hoffnung und Freude befähigen uns, angesichts von Enttäuschung, Leid und Tod nicht zu verzagen, nicht zu resignieren. Lass das Licht von Ostern auf unseren Lebensweg fallen, so dass wir ihn in der Hoffnung auf Vollendung gehen können. Lass uns erfahren, dass du uns Geleit gibst im Leben und Ziel bist am Ende unseres Lebens. Lass uns erfahren, dass du die Freude schenkst, die uns niemand mehr nehmen kann. Darum bitten  wir und danken wir durch …

Predigt:

Furchtloser Friede statt friedloser Furcht  aus Ulrich Lüke:
Für- und Wi(e)der-Worte. Anstößige Gedanken im Kirchenjahr. Bonifatius-Verlag Paderborn S. 64-67

Am Anfang des Evangeliums sagen  Engel den Hirten auf den Feldern von Bethlehem „Fürchtet Euch nicht!“ und „Der Friede sei mit euch!“ Und am Ende des Evangeliums, nach Ostern, sagt das der Auferstandene seinen verängstigten Jüngern gleich mehrfach: „Fürchtet euch nicht!“  und  „Der Friede sei mit euch!“  Wie diese Freiheit von Furcht und der Friede zusammenhängen, das hat mir eine Geschichte des Paderborner Priesters Hermann Bieker (Jahrgang 1913) deutlich gemacht. Zwischen Januar und April 1945 wurde die alte, schöne Bischofsstadt Paderborn zu 95 % von Bomben zerstört und mit ihr unschätzbare Kulturgüter  und  -noch weit schlimmer- Tausende von Menschen getötet. Aus dieser Zeit, in der man den Gottesdienst noch auf Latein und mit dem Rücken zum Volk zelebrierte, berichtet der damals junge Vikar:

    In den Schreckenstagen der Bombenangriffe auf Paderborn flüchteten viele Menschen nach dem benachbarten Elsen. Hier erwarteten sie in den Ostertagen 1945 den Einmarsch der Amerikaner. Im Auftrag meines Pastors feierte ich das heilige Messopfer  -das Auferstehungsopfer-  auf der Tenne im Hofe Güllenstern. Jungen aus Paderborn übernahmen die liturgische Gestaltung des Gottesdienstes als Lektoren. Entschlossen klang aus jungen Kehlen: „Preiset den Herrn, ruft an seinen Namen; macht kund seine Werke unter den  Heiden, alleluja!“ Auch die Männer und Frauen wagten es, das Osteralleluja zu singen. Ich dachte indes an das „Nolite expavescere“ („erschrecket nicht!“) des Ostermorgens. Die Tennentüren waren wegen der Kälte geschlossen. Nur die kleine Eingangstür war offen. Da geschah es. In den Kehlen verstummte plötzlich das Opferungslied. Alles drängte instinktiv zum Altar. Von der Straße hörte man das Motorengeräusch vorbeifahrender Panzerspähwagen und ausländische Wort.  - Nolite expavesceere“ -  Frauen klopften nervös auf den Altar: „ Herr Vikar, sie kommen! Sie sind schon da!“ Da wandte ich mich um und sagte: „Wir machen weiter.“ „Sursum corda.“ „Habemus ad Dominum“, antworteten die Jungen und die Gemeinde. „Gratias agamus Domino Deo nostro.“ Doch in die Präfation hinein drängte sich das überwältigende, erschütternde Geräusch der anrückenden Panzer. Der erste von ihnen drehte sich knirschend und krachend auf der Straße vor dem Hause und lief auf unsere Tenne zu, als wolle er uns alle überrennen. Schon drang das Kanonenrohr durch die Öffnung der Tür herein. Die Kettendes Panzers krachten gegen die Tür.  - „Nolite expavescere.“  - Das war ein eigenartiges Sanctus. Kommandostimmen wurden hörbar. Der Panzer setzte zurück. Die Tür wurde geöffnet. Zur Wandlung war alles still. Nur vorbeiziehende Panzer kündeten vom Ernst des Lage. Als ich mich zum „Ecce Agnus Dei“ umwenden durfte, sah ich folgendes Bild: Der Panzer mächtig im Tenneneingang stehend, das Rohr auf den Altar gerichtet, die knieende Gemeinde und unter ihr mit entblößtem Haupt die Besatzung des amerikanischen Panzers, kniend vor dem Gott der Sieger und Besiegten.“  -

    „Nolite expavescere!“  Entsetzt oder fürchtet euch nicht. Das ist das erste was die Frauen am leeren Grab des Auferstandenen zu hören bekommen. Vor dem Hintergrund der anrückenden Truppen, in der Angst ums nackte Leben, da bekommen die oft nur gedankenlos hingesagten alten Gottesdienstfloskeln einen neuen Sinn. Im Angesicht des Todes: „Sursum corda.“  Erhebet die Herzen.  – „Habemus ad Dominum“  Wir haben sie beim Herrn, beim Herrn über Leben und Tod, beim Herrn, der durch den Tod zum Leben ging. Im Angesicht des Todes: „Gratias agamus Domino Deo nostra.“  Lasst uns danken dem Herrn, unserm Gott. „Dignum et iustum est.“ Das ist würdig und recht. Im Dank an den auferstandenen Herrn, der uns vorausging und aus dem Sterbeweg mit dem Hoffnungszeichen Auferstehung einen Lebensweg machte, finden wir zu der rechten menschlichen Würde, finden wir uns auf würdige Weise zurecht mit Leben und Sterben. –
Es mag sein, dass die verängstigten Menschen auf der Tenne an diesem denkwürdigen Ostertag das Glück hatte, selbst im Panzer auf gläubige Menschen zu stoßen und nicht auf  Rambos, die die Scheune mit Mann und Maus platt machen wollten. Aber möglicherweise hätten sie, anstatt die Hände zu falten und das Herz zum Herrn zu erheben, auch Panzerfäuste zur Hand nehmen, sich gegen die anrückenden Panzer erheben und ein  Blutbad sonder gleichen anrichten können. Sie tun es - gottlob -
Nicht. Sie beten das Lamm Gottes. In derselben Wehrlosigkeit, die Christus den Titel „Lamm Gottes“ eintrug, erwarten sie ihre Feinde. Im Blick auf die Wehrlosigkeit dessen, der sich wie ein Stück Vieh abschlachten ließ, ertragen sie die Kanonen im Rücken. Im Blick auf den auferstandenen Christus finden die Sieger und die Besiegten inmitten der Angst Frieden mit sich und miteinander. Dieser Friede stammt nicht aus Partei- und Rüstungsprogrammen, sondern aus dem Glauben an den Auferstandenen, der Leid und Tod durchschritt, und uns aus dieser Erfahrung sein  „Nolite expavescere!“   „Fürchtet euch nicht!“ zuruft. Im Blick auf den Auferstandenen finden wir Frieden mit dem bedrohlichen Anderen, finden wir trotz aller Todesängste Frieden mit uns selbst. Der Osterglaube  -das ist inmitten der Friedlosigkeit unserer Existenz eine mächtige Friedensbewegung unter der Führung Gottes. Er ermöglicht statt friedloser Furcht furchtlosen Frieden.

Fürbitten: Nach jeder Bitte halten wir einen Augenblick Stille.

1) Für die Menschen, die sich von Gott und der Welt verlassen fühlen, dass sie den Mut finden, in dieser Welt Gott neu zu entdecken. 
2) Für die Menschen, die Christus aus den Augen verloren haben, dass du ihnen die Augen öffnest für die Zeichen von Auf-erstehung und neuem Leben.  
3) Für die Menschen, die nach Gottes Nähe suchen, dass sie sie finden im Gebet, im Sakrament, in guten Menschen.
4) Für die Menschen, die einen lieben Angehörigen oder Freund verloren haben, dass sie ihn geborgen wissen in Gottes Nähe und selber Frieden finden. 
5) Für die Menschen, die uns tragen und die uns zu tragen geben, dass wir ihnen in Geduld und Liebe verbunden bleiben.
6) Für die Menschen, die dem Tode nahe sind, dass sie lernen, auf den Gott des Lebens zu hoffen.

Für sie alle und für uns selbst bitten wir durch Christus, unsern Herrn.       
Amen.

Schlussgebet:

Herr, wo der Tod das absolute Ende des Lebens ist, da wird er schon vorher zu dessen geheimer Mitte. Da entwertet und verfinstert er schon vorher unser Dasein. – Du aber hast dem Tod die trost- und hoffnungslose Endgültigkeit genommen und aus ihm einen Durchgang zum Leben gemacht. So verbindet sich all unsere Hoffnung mit deiner Auferstehung; denn sie enthält die Verheißung von Leben auch für uns. Lass du diese Lebenshoffnung zur Mitte und zum Ziel unseres Lebens werden. Darum …. 

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