Nachlese zum 32. Sonntag im Jahreskreis

Lesung:            
Evangelium: Markus 12,38 - 44 

In jener Zeit,
als Jesus im Tempel dem Opferkasten gegenübersaß,
sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen.
Viele Reichen kamen und gaben viel.
Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.
Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch:
Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern.
Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen;
diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat,
sie hat alles hergegeben, was sie besaß,
ihren ganzen Lebensunterhalt.

Foto: Michael Bönte, Kirche + Leben

Texte von Dr. Schröcker, Münster, zur Verfügung gestellt:


Sein Leben geben

Ob wir arm sind oder reich, dass lässt sich nicht so leicht sagen. Fast immer finden wir einen Reichen, im Vergleich zu dem wir arm sind. Und fast immer finden wir einen Armen, im Vergleich zu dem wir reich sind. Armut und Reichtum lässt sich nicht in Geldbeträgen messen. Ein wenig Brot kann in der Hungersnot viel wert sein. Viel Geld kann wenig bedeuten, wenn es nur ein Teil des Überflusses ist.

Im heutigen Evangelium gibt die Witwe ihren ganzen Lebensunterhalt, wie es in der deutschen Übersetzung heißt, oder noch deutlicher müsste man übersetzen: sie gibt ihr ganzes Leben. So wie die Märtyrer ihr Leben für Christus und für den Glauben hingegeben haben, so ist auch die Gabe der Witwe. Sie ist mit ganzem Herzen und ganzer Seele dabei, mit ihrem Wesen und ihrer Existenz. Ihre Liebe und Hingabe macht ihre Gabe so wertvoll.

Christen spenden viel Geld. Wenn wir einen Teil unseres Überflusses anderen geben, ist das natürlich schon viel. Es ist jedenfalls besser, als dass wir überhaupt nichts geben. Aber besonders lobenswert ist es, wenn unsere Spenden vom Herzen kommen. Lobeswert ist es, wenn wir auch etwas von unserem Leben geben, von unserer Zeit und von unserer Liebe, von unserer Kraft, unserer Leidenschaft, unserer Freude und unserer Sorge.

Die Witwe im Evangelium gibt ihr Leben. Für Leben gibt es in der griechischen Sprache zwei Wörter.  „Bios“ ist das gewöhnliche körperliche Leben, wie es eben verläuft. Es wird in der Biographie beschrieben. Dieses Leben haben auch Tiere und Pflanzen, von denen die Biologie handelt. Wenn die Bibel vom Leben der Seele und vom ewigen Leben spricht, dann gebraucht sie ein anderes griechisches Wort, und zwar das Wort „zoe“.

Die Witwe des Evangeliums gibt ihr Leben. Hier heißt es „bios“. Sie gibt also das gewöhnliche irdische Leben hin; aber sie wird dafür das überirdische und ewige Leben gewinnen.

Der Herbst und besonders der November ist im Jahreslauf eine traurige Zeit. Die Blätter fallen von den Bäumen und erinnern uns daran, wie schnell alle Schönheit der Erde vergeht. Durch dieses vergängliche Leben, durch den Glauben und die Liebe, sollen wir den Weg zum ewigen Leben finden.

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