Nachlese zu Advent/Christkönigssonntag 2020

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Texte von Prof. Dr. Lüke,  Münster, zur Verfügung gestellt:

Einführung:

Die Könige unserer Zeit sind oft lächerliche Gestalten, das gefundene Fressen für die Klatschpresse und ihre Paparazzis. Manche dieser Könige, auch wenn sie sich König von Gottes Gnaden genannt haben, sind brutal im Umgang mit anderen Menschen, versklaven und beuten andere Völker aus. Manche Könige sind nur die politische Schaufensterstaffage und ansonsten bedeutungslos. Maßstab für jeden menschlichen Hoch-, Macht- und Geld-Adel ist der sich    erniedrigende, der machtlose und Mensch gewordene Gott. Er gab sich selbst auf, um uns zu gewinnen durch die Ohnmacht der Liebe. Nur diese Liebe ist überzeugend, nur diese Liebe ist menschlich gewinnend. Nur die Liebe gewinnt immer.

Predigt:

Königs-Klasse

Am letzten Sonntag des Kirchenjahres feiern die Katholiken das Christkönigfest, also am Sonntag bevor der Advent beginnt und sich schon alles auf Weihnachten ausrichtet. Ein im wahrsten Sinne merkwürdiges Fest und ein merkwürdiger König geraten hier in den Blick.

Schon ganz am Anfang, noch vor seiner Geburt heißt es beim Evangelisten Lukas: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ (Lk 1,32f) Das ist die große Verheißung.

„Wo ist der neugeborene König der Juden. Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihm zu huldigen.“ (Mt 2,2) So fragen kurz nach seiner Geburt die Magie und Sterndeuter aus dem Osten. Und damit lösen sie Panik bei dem nur durch Roms Gnaden amtierenden König Herodes aus. Eine Verfolgungswelle gegenüber möglichen oder tatsächlichen Kronprätendenten ist dann die weitere Folge, der Kindermord in Bethlelem, von dem die Bibel erzählt.

Und ganz am Ende eines irgendwie nicht so recht königlich verlaufenden Lebens sagt er im Verhör vor Pilatus auf die Frage, ob er ein König sei: „Du sagst es, ich bin ein König.“ „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ (Jo 18,36f)

Nach herkömmlichen Maßstäben ist dieser König eine Witzfigur, eine Lachnummer, nicht von dieser Welt. Die römischen Soldaten machen ihn zum Spottkönig und krönen ihn mit Dornen. Die Soldaten dieses Königs muss man nicht fürchten, die Grenzen seines Reiches sind unbewacht, man kann sie nicht einmal feststellen. Eine Leibwache oder ein Hofstaat sind nicht vorgesehen. Man kann diesem König zu nahe treten, ja sogar seiner habhaft werden und sieht, mit dem ist nicht viel Staat zu machen, der ist hilflos und mittellos.

Seine erste Audienz gibt der neugeborene König im Viehunterstand für die Hirten, arme missachtete Gestalten am Rand der jüdischen Gesellschaft. Und seine letzte Audienz gibt dieser König am Kreuz den zwei Verbrechern, die mit ihm gekreuzigt werden. Einer der beiden verhöhnt Jesus noch am Kreuz. Der andere ist sich dessen bewusst, dass er, der schuldige und rechtmäßig verurteilte Verbrecher neben jemandem stirbt, der schuldlos und unrechtmäßig verurteilt ist. „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ So bittet der eine Todeskandidat den anderen Todeskandidaten, denn er ahnt, dass dieser nicht im Reich des Todes versinkt, sondern durch den Tod in sein Reich des Lebens eingeht. Und Jesus sagt: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk23,42) Er verheißt die Auferstehung im Tod, heute noch, nicht erst am St. Nimmerleinstag. Wie mitten im Leben Tod sein kann so mitten im Tod Leben.

Über dem Kreuz steht noch einmal, als was er verurteilt worden ist, ohne es jemals gewesen zu sein oder auch nur beansprucht zu haben: „Jesus von Nazareth, König der Juden.“ Jesus wollte ausdrücklich nie ein Politmessias, wollte nie ein Thronfolger auf dem albernen Thrönchen des Herodes sein. Aber die Perfidie seiner Landsleute lässt ihn für das sterben, was er nie sein wollte und nie war, ein diesseitiger König. Und die Ironie des Schicksals schreibt an den Kreuzesbalken, dass er hier von seinem Volk und dessen Besatzern Liquidierte der eigentliche und wirklich König ist.

Dieser König ist eher ein Antikönig; er passte weder damals noch heute in die Zeit. Er ist ein zeitloser, ein zeitübergreifender, ein ewiger König. Man darf nicht in die Höhe, sondern muss in die Tiefe schauen, um diesen König zu entdecken. Unser Blick braucht die besondere Tiefenschärfe der Menschlichkeit, um diesen König wahrzunehmen.

Er ist kein König von dieser Welt, sondern ein König über diese Welt. Er ist kein König auf Zeit wie die vielen Herodesse der Geschichte, er ist König über diese Zeit, der König in Ewigkeit. In der menschlichen Erbärmlichkeit vermittelt er das göttliche Erbarmen. Die Könige dieser Welt haben in mörderischen Schlachten ihre Völker geopfert zum Unheil der Welt, der König über diese Welt lässt sich selbst zum Schlachtopfer machen zum Heil der Welt. Er ist ein König, der, indem man ihn hinrichtet, andere aufrichtet.

Weil er ein König ganz unten ist, darum wird er von denen ganz unten, den Hirten an der Krippe und den Verbrechern am Kreuz, als König erkannt. Weil er ein Spottkönig und ein Habenichts ist, erkennen die Verspotteten und Habenichts dieser Welt in ihm den Ihren. Die Gernegroßen oder Möchtegerngroßen, Pilatus und Herodes, verstehen nicht, dass dieser König in einer anderen, für sie unerreichbaren Königsklasse spielt und wittern in ihrer lächerlichen Großmannsucht nur eine Bedrohung ihres Status.

Nicht der ist ein König, der andere klein halten muss, um selber groß bleiben oder groß werden zu können. Der ist ein König, der nicht selbst hoch hinaus will, sondern sich mit den Niedrigen gemein macht, der bei den Kleinen seinen Platz sucht, um sie groß werden zu lassen. Der ist ein König, der im Sterben das Leben versprechen, den Sterbenden Leben zusprechen, der aus dem Sterben ins Leben führen kann. Den König erwarten wir, dem gehen wir entgegen im Advent unseres Lebens. Nur dieser gekreuzigte König am Ende ist am Ende der König. Nur der führt nicht die Lebenden in den Tod, sondern die Toten ins Leben.

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