Karnevalspredigt 2015 ergänzt 2021

Ich will eine Predigt lang dabei verweilen,
mit Ihnen die kirchliche Lage zu peilen.
Die Kirche ist ein bunter Haufen:
Die Einen kommen und Andre gehen laufen.
Die Einen bewahren, die Andern verändern
und ausgefranst ist sie an den Rändern.

Ich traf auf den alten Spötter,
den Heinrich Heine, zum Glück.
Der kämpfte gegen Halbgötter
und ließ manchen Spottvers zurück:

I.   Loreley  (1. Version)

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin.
Ich höre es überall läuten
und sehe, es geht keiner hin.

Ist der Mensch nur träg und eventgeil,
hat er nur noch das Geld im Sinn?
Will er nicht mehr der Seele Heil,
sondern nur noch den Gewinn?

Der Bischof Franz-Peter sitzet
auf der Limburg wunderbar
die teure Wanne, sie blitzet,
es glänzt das Reliquiar.

Er baut sich für 30 Millionen
den Domberg wunderbar aus,
um würdig da oben zu wohnen
so nah bei dem Gotteshaus.

Die kupfernen Fensterrahmen
Koi-Karpfen im Teich dabei,
das Domkapitel singt dazu Amen,
eine herrliche Melodei!

Da kommt eine wilde Horde
und die Presse ist auch dabei
auf dass nun überborde
boshafte Journalisterei.

Der Bischof im Kirchenschiffe
schaut nur verzückt in die Höh,
er sieht nicht die scharfen Riffe,
doch die, die tun ihm weh.

Er flüchtet vom Domberg hinunter
zur Tut-und taugt-nichts Gloria
dort lebt er weiter recht munter
und fürstlich und wunderbar.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
am Ende solche Schiffe nebst Kahn;
und das hat vor allen Dingen
der Schiffer sich selbst getan.

Der Papst mit dem weiten Herzen
holt dennoch nach Rom ihn sogleich,
und Schluss ist`s mit den Scherzen:
Ein Vatikan-Lohn macht nicht reich.

Loreley (2. Version)

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin.
Ich höre es überall läuten
und sehe, es geht keiner hin.

Da sucht ein Kardinal in Ehren,
ich meine, der Vorsatz war gut,
den Missbrauch aufzuklären,
nun wackelt sein Kardinalshut.

Er gibt sich –rigoroser Aufklärer
aller Missbrauchsvertuscherei –
den Titel Wahrheitsverehrer
und strauchelt über sich selbst dabei.

Die keiner Kirchtür sich nähern,
die stehen feixend dabei,
als Gesellschaft von Pharisäern
und verspotten die Episkopei. Klerisei

Höher als die Kölner Domtürme
scheint die Mitra der Narretei.
Es brausen die Shit-Stürme,
und der Fromme steht weinend dabei.

Das Schiff im Kirchenaustrittssturme
es wankt und schwankt dabei,
zernagt vom Missbrauchswurme,
als läge Köln an der Loreley.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
am Ende solche Schiffe nebst Kahn;
und das hat vor allen Dingen
der Schiffer dem Schiff angetan.

Wer versucht, sich selbst nur zu schützen,
und die letzte Konsequenz dabei scheut,
der wird auch der Wahrheit nicht nützen,
und der Glaubwürdigkeit  - keinen Deut.

II.

Sie saßen und tranken am Teetisch

Ein weiteres Spottlied von Heine,
das passt noch gut dazu,
das trifft nicht den Bischof alleine
sondern Menschen wie ich und du:

Sie saßen und tranken am Tresen
und sprachen von Kirche viel.
Die einen sahn sie verwesen,
die andern meinten: „Debil!“

„Die Kirche sei gendersensibel!“,
die dürre Emanze sprach
und äugte dabei peni(si)bel
auf den Macho, der lächelte: „Ach?“

Der Zahnarzt öffnet den Mund weit:
Die Kirche sei viel zu reich.
Zum Schutz ihrer Glaubwürdigkeit
sei er ausgetreten sogleich.

Der Altphilologe wehmütig:
„Die Kirche, sie spreche Latein,
die Weltsprache!“ sagt er fast wütig;
dann träte er auch wieder ein.

Der Banker mit seinen Millionen,
der meinte so nebenbei,
der Glaube, der könne sich lohnen,
bei mehr Apokalyptikerei.

Am Tresen war noch ein Plätzchen,
mein Christ, da hast Du gefehlt.
Vielleicht hättest du ohne Mätzchen
von deinem Glauben erzählt.

III.

Das Fräulein stand am Meere
von Heine ist`s, auf Ehre!
Doch passt`s in die heutige Zeit,
wenn man nur die Hoffnung nicht scheut:

Die Nonne stand am Dom
und seufzte lang und bang;
sie sah sogar im Rom
nur Kirchenniedergang.

Ach Schwester, sein sie munter,
das ist das alte Stück.
Vor den Augen geht sie unter
und kehrt in den Herzen zurück.

IV.

Nachtgedanken, auch von Heine,
form ich um, als wären`s meine:

Denk ich an Kirche in der Nacht,
dann bin ich um den Schlaf gebracht,
ich kann nicht mehr die Augen schließen,
und manches kann mich nur verdrießen.

Die Jahre kommen und vergehn!
Die Kirche bleibt schlicht einfach stehn.
Seit fünfzig Jahren hingegangen
wächst in mir neu Konzilsverlangen.

Ein wild Reformverlangen wächst,
doch Kirche scheint mir wie behext.
Die Priesternot ist riesengroß,
sie wird den Zölibat nicht los.

Die Diakonin, ohne Zweifel,
erscheint als Eingebung vom Teufel.
An Priesterinnen nicht zu denken,
als würd`s uns in die Hölle senken.

Und Nonnen gibt’s fast keine mehr;
sie gibt ihr Patriarchat nicht her.
Die Laien, Christen zweiter Klasse,
verlassen sie zuhauf, in Masse.

Doch, die alte Kirche hat uns lieb
und in den Briefen, die sie schrieb,
seh ich, wie ihre Hand gezittert,
wie tief das Mutterherz erschüttert.

Und dennoch oder grad deswegen,
ist mir an der Reform gelegen.
Die Alte muss endlich einsehen,
Veränderung kommt aus Geisteswehen.

Gottlob! Aus Vatikan-Fenstern bricht
franziskanisch heiteres Tageslicht.
Es kommt der Papst, als Mann von morgen
und lächelt fort die Kirchensorgen.

Die Kirchensorgen leg ich am Ende
betend hinein in tätige Hände.
Und zuvor, damit wir nicht irr’n
betätigen wir unser Hirn.
Ich glaube, wir glauben gemeinsam.
Da fühlt man sich nicht mehr so einsam.
Ich hoffe, sie hoffen mit mir.
Im Hoffen entsteht unser Wir.
Und die Liebe befähigt uns bald
zu einer neuen Kirchengestalt.
Dies mag in Gottes Namen
als Predigt gelten. Amen!

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Amandus Bahlmann und Elisabeth Tombrock